Über die Finanzkrise ist vielen Menschen nur bekannt, dass sie aus Amerika kommt. Dort kommen die finanziellen Innovationen her, die das Risiko von Krediten neu verteilen sollten. Aber bislang scheint sich kaum jemand zu fragen, wo all das viele Geld her kam, das in diese neu erfundenen Finanzprodukte gepumpt wurde. Ein Artikel von Gillian Lett in der Financial Times zeigt, dass globale Ungleichgewichte den Brennstoff lieferten, der in destruktiver Kreativität in Amerika verfeuert wurde:
The financial crisis and global economic imbalances are “two sides of the same coin”, says Lorenzo Bini Smaghi, a member of the governing council of the European Central Bank.
Gleichzeitig mit der Erfindung finanzieller Instrumente, die scheinbar eine Verteilung von Risiko ermöglichen, entstanden aufgrund globaler Ungleichgewichte gewaltige Sparguthaben in einigen Ländern. Dies ist erkennbar am riesigen Handelsdefizit der USA, und an den Handelsüberschüssen von Ländern wie beispielsweise China. Gerade in schnell wachsenden Volkswirtschaften wie China und Indien und in Öl exportierenden Ländern wie Saudi-Arabien und Russland wuchsen die Geldmengen.
Dieser Geld-Überschuß führte dazu, dass risikofreie Geldanlagen immer weniger Ertrag boten. Risikofreie Geldanlagen sind Staatsanleihen, und wenn für diese immer mehr Geld zur Verfügung steht, senken die Staaten einfach die zu zahlenden Zinsen. Die Investoren und ihr Geld waren somit auf der Suche nach höheren Erträgen. Die Gier liess Risiko-Aufschläge fallen und die Markt-Disziplin kollabieren.
Und genau das sorgte für die verheerenden Bedingungen, die in Amerika zum großangelegten Betrug von Investoren führten:
- allen voran Chinas Politik, die eigene Währung bewusst niedrig zu halten und somit die Exporte zu verbilligen, führte zu globalen Ungleichgewichten
- dies führte zur Verschuldung amerikanischer Haushalte, die ihren Konsum mit Krediten finanzierten
- und es führte zu riesigen Geldmengen auf der Suche nach Erträgen
- gleichzeitig erfanden amerikanische Investmentbanker Finanzprodukte, die das Risiko bei Krediten von der Kreditvergabe trennten
- die dabei erzielbaren, nun risikofreien Gebühren trieben Investmentbanken und Baufirmen an, Kredite an Menschen zu verkaufen, die sie niemals zurückzahlen konnten
- Anschliessend wurden die Kredite gebündelt und an ertragshungrige Investoren verkauft, die die Risiken nicht verstanden
Immerhin ist es als ausgleichende Gerechtigkeit zu werten, dass die Finanzkrise nun auch China und Russland erreicht hat. Russischen Firmen will keiner mehr Geld borgen, Chinas Exporte brechen ein.
Ähnliche Beiträge:
- Zehn Prinzipien für eine Finanzwelt ohne unglückliche Zufälle Nassim Nicholas Taleb ist sowas wie ein traumatisierter [...]...
- Unser Bedürfnis nach Sicherheit in Zeiten der Krise In der Mailing-Liste der Wirtschaftsjunioren, einem wel [...]...
- Interview mit Smava-Gründer Alexander Artopé Smava ist eine innovative Web-Plattform, bei der Pr [...]...
