Teil 4 von 11 in der Serie Sechs Denkhüte

Zusammenfassung: Man kann einen der Sechs Denkhüte einzeln einsetzen, oder alle nacheinander. Dabei sind bestimmte Regeln zu beachten: Disziplin ist sehr wichtig.

In diesem Teil der Serie über die Sechs Denkhüte werde ich zeigen, wie man die Sechs Denkhüte Edward de Bono zufolge einsetzen sollte. Ich setze die Sechs Denkhüte auch im Unternehmen ein, und nicht immer klappt das so hervorragend wie im Buch beschrieben. Aufbauend auf diesen Erfahrungen und weiteren Recherchen, werden im Laufe der Serie weitere Tipps folgen, wie man die Sechs Denkhüte einsetzen kann.

Einzelner Einsatz eines Denkhuts

Will man von den Teilnehmern eine bestimmte Art zu denken haben, kann man sich auf einen einzelnen Hut beziehen:

Ich glaube, wir sollten uns diese Frage mal mit dem grünen Hut anschauen!

Kannst Du mir mal bitte Deine Denke unter dem Gelben Hut nennen?

Das ist eine der Stärken der Sechs Denkhüte. Ohne sie müsste man ansonsten folgende Fragen stellen:

Wir brauchen dringend mehr Kreativität!

Sei nicht so negativ!

Und beide Aufforderungen können negativ aufgefasst und persönlich genommen werden. Sind die Sechs Denkhüte allen Teilnehmern bekannt, treten Hierarchien in den Hintergrund. Alle können nun ihre Ideen unter einem Denkhut präsentieren, ohne beispielsweise Kritik ausüben zu müssen an den Ideen ihrer Chefin.

Der Rote Hut ermöglicht es, nach Gefühlen und Intuition zu fragen. Das ist normalerweise schwer. Was wird die Chefin wohl hören, wenn sie eine Idee präsentiert und die Beteiligten nach ihren Gefühlen dazu fragt?

Der Gelbe Hut bietet die Möglichkeit, nach positiven Werten zu suchen. Ideen müssen wir behandeln wie junge Pflanzen: wir dürfen nicht auf ihnen herum treten. Oft machen wir aber genau das, indem wir uns von Anfang an kritisch äußern (dran denken: so sind wir in der westlichen Zivilisation nun mal seit den griechischen Philosophen konditioniert). Mit dem Gelben Hut sind wir in der Lage, gezielt nach Vorteilen und positiven Werten zu suchen.

Der weiße Hut versetzt uns in die Lage, Informationen von unserer Urteilsfähigkeit zu trennen. Unter dem Weißen Hut sammeln wir Informationen und fragen uns, welche Informationen noch fehlen und wo wir sie her kriegen. Wir fällen aber kein Urteil über die vorliegenden Informationen.

Nach einer Weile werden alle Teilnehmer die Sechs Denkhüte sicher erkennen und einsetzen. Es ist nicht notwendig, immer zu sagen, unter welchem Hut man gerade denkt. Aber man kann das parallele Denken der Gruppe leichter lenken.

Einsatz in vorbestimmer Abfolge

Die Sechs Denkhüte lassen sich auch hervorragend in vorbestimmter Abfolge einsetzen. Diese Abfolge muss nicht vollständig sein, es reicht manchmal, nur einige Denkhüte einzusetzen.

Die Abfolge kann man entweder vorher festlegen oder sich treiben lassen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man sich nur mit erfahrenen Teilnehmern treiben lassen sollte. In den meisten Fällen ist eine vorher gemeinsam festgelegte Abfolge besser.

Eine vorher festgelegte Abfolge beginnt mit welchem Hut? Immer mit dem Blauen Hut! Der Blaue Hut sollte am Anfang und am Ende benutzt werden. Am Anfang legt man folgendes fest:

  1. Warum sind wir hier?
  2. Worüber denken wir nach?
  3. Was ist das Problem?
  4. Gibt es alternative Definitionen?
  5. Was wollen wir erreichen?
  6. Sequenz der Denkhüte

Am Ende bestimmt man unter dem Blauen Hut folgendes:

  1. Was haben wir erreicht?
  2. Schlußfolgerung daraus
  3. Lösung oder Design für die Zukunft
  4. nächste Schritte, Verantwortlichkeiten, Termine
  5. was ist noch offen?

Ansonsten hängt die Sequenz der Denkhüte vom Problem ab (Erforschung, Problemlösung, Streit schlichten, Entscheidung treffen etc.). Alle Teilnehmer müssen Erfahrungen im Umgang mit den Sechs Denkhüten sammeln, dann wird die Gruppe auch erfahrener mit angemessener Abfolge. Einige Tipps:

  • Der Rote Hut kann unmittelbar nach dem 1. Blauen Hut benutzt werden, wenn man glaubt, dass die Teilnehmer bereits starke Emotionen mit dem Thema verknüpfen
  • Wenn keine Gefühle existieren, oder wenn der Boss als erster seine Emotionen mitteilt, ist der Rote Hut wenig hilfreich
  • Wenn man etwas beurteilen will, sollte der Gelbe Hut vor dem Schwarzen Hut kommen (wenn man nicht genug Vorteile findet, braucht man die Arbeit ohnehin nicht fortsetzen / wenn man aber viele Vorteile findet, anschliessend aber auch viele Nachteile, ist man motiviert, die Schwierigkeiten zu überwinden)
  • Manchmal macht es Sinn, den Roten Hut nochmal nach dem 2. Blauen Hut aufzusetzen
  • Der Weiße Hut, der Blaue Hut und der Rote Hut leben von Diskussionen unter den Teilnehmern
  • Der Gelbe Hut, der Schwarze Hut und der Grüne Hut profitieren davon, dass die Teilnehmer einzeln für sich arbeiten, bevor man alle Ideen sammelt

Nichts ist wichtiger als Disziplin

Disziplin ist beim Einsatz der Denkhüte sehr wichtig. Alle Teilnehmer müssen bei dem Denkhut bleiben, den die Gruppe gerade auf hat. Niemand darf dazwischen reden und was zu einem anderen Hut sagen. In diesem Fall aufschreiben und auf den entsprechenden Denkhut warten, oder auf den 2. Blauen Hut am Ende. Wenn man diese Zwischenrufe zulässt, landet man wieder bei kritischer Argumentation – was man ja mit den Sechs Denkhüten vermeiden wollte.


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