In der Mailing-Liste der Wirtschaftsjunioren, einem weltweiten Verband junger Unternehmer und Führungskräfte, werden die Auswirkungen der Krise gerade heiß diskutiert. Die Frage lautet, ob die Krise Panik oder Realität sei.
Schauen wir uns einige Fakten an: In der Automobilbranche brechen die Umsätze ein, bei LKWs ebenso. Auch die Zulieferer sind davon betroffen. Der gesamte Maschinenbau macht da keine Ausnahme, die Prognosen für 2009 sind schlecht. Und auch Flugzeugbauer melden Auftragsrückgänge und Stornierungen.
Was bewirkt das alles in der Psyche einer einzelnen Person?
Eine mögliche Erklärung liefert die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow. Maslow entwickelte bereits 1943 ein Modell von Bedürfnissen, die Menschen befriedigen wollen. Dabei fangen sie bei den einfacheren Bedürnissen an, und sobald diese erfüllt sind, erhalten die Menschen ihre Motivation aus der nächsthöheren Bedürfnis-Ebene. Die Bedürfnispyramide hat folgenden Aufbau:
- Selbstverwirklichung
- Soziale Anerkennung (z.B. Ästhetik etc.)
- Soziale Beziehungen
- Sicherheit
- Körperliche Bedürfnisse
Sobald also ein Bedürfnis befriedigt ist, motiviert uns die nächste Ebene. Sind wir also satt und uns ist warm, wollen wir Sicherheit. Haben wir Unterkunft und Schutz, motivieren uns soziale Beziehungen. Fühlen wir uns in ein Geflecht sozialer Beziehungen eingebettet, suchen wir Anerkennung, und als nächstes Selbstverwirklichung. Logischerweise erhalten wir unsere Motivation immer aus der untersten, nicht erfüllten Bedürfnisebene. Haben wir Hunger, interessiert uns die soziale Anerkennung kaum.
In Zeiten der Krise fehlt allen Marktteilnehmern die Sicherheit: Sicherheit des Jobs, Sicherheit, ob es mit dem Unternehmen weiter geht, Sicherheit, ob das System überhaupt funktioniert. Alle darüber befindlichen Bedürfnisse werden dann erstmal zurück gestellt.
Also konzentrieren sich nun alle Marktteilnehmer auf Sicherheit, denn das Bedürfnis nach Sicherheit liefert ihnen ihre aktuelle Motivation: Banken vergeben kaum Kredite, weil es ihnen unsicher vorkommt. Firmen horten Geld, weil ihnen Geld Sicherheit verschafft, ihre Rechnungen bezahlen zu können. Konsumenten verzichten vielfach auf hohe Ausgaben für Prestige-Objekte, weil sie Geld sparen wollen. Käufe für Heizöl und Nahrung, also körperliche Bedürfnisse, sollten aber unberührt bleiben und weiter florieren (was denn auch einer der Wirtschaftsjunioren hervorhebt).
Wie kann man mit diesem Bedürfnis nach Sicherheit umgehen?
- Wenn man in seiner Kommunikation mit dem Markt auf Bilder setzt, sollten Sie eher auf heimelige Familienbilder setzen statt auf Extremsportarten oder Abenteurer (s. z.B. hier unter Punkt 4)
- Geben Sie Ihrem Kunden Sicherheit durch Referenzen oder Probemuster
- Rechnen Sie den Mehrwert aus, den Ihr Kunde bei Ihnen erhält (bestes Beispiel: Fat-O-Nomics des Gold’s Gym)
- Kommunizieren Sie Ihren Mitarbeitern und Kunden, wie das Unternehmen mit der Krise umgehen will
- Seien Sie offen, wenn Sie Kündigungen beabsichtigen: die Sicherheit, dass man den Job verlieren wird, ist für viele besser als die Unsicherheit, ob sie ihn verlieren werden, so Businesspsychologin Pearn Kandola
Ist die Krise nun real oder zum großen Teil Panikmache? Wenn ich vor einer Herde Viecher stehe, die durchgeht, dann spielt es keine Rolle, ob der Leitbulle von einer Tarantel gebissen wurde, oder ob er sich die Tarantel nur eingebildet hat. Fakt ist, Leitbulle und Herde drehen durch. Das ist real. Im Weg stehen wäre dann ziemlich doof. Und Sicherheit, nicht zertrampelt zu werden, erlange ich nur wenn ich mich auf die durchgehende Herde einstelle.
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