Zusammenfassung: Denken ist sehr komplex, und es fällt uns schwer, in verschiedene Richtungen gleichzeitig zu denken. Eine Kreativmethode von Edward de Bono hilft, dieses Problem zu umgehen. Dazu ein paar Beispiele aus der Finanzkrise.

Edward de Bono hat sich Zeit seines Lebens mit dem Denken beschäftigt. Besonders fasziniert hat ihn das Problem des lateralen Denkens: wie verlässt man seine eingefahrenen Denkmuster? Die bekannteste seiner Kreativitätsmethoden sind die 6 Denkhüte. Sechs Hüte mit sechs Farben stehen für sechs verschiedene Denkrichtungen:

  • weiß – Informationen, Fakten
  • rot – Emotionen
  • schwarz – Vorsicht, Kritik, Gefahren
  • gelb – Vorteile, positive Aspekte
  • grün – Wachstum, vermehren, vergrößern
  • blau – Denken über das Denken selber

Ich werde die sechs Denkhüte nochmals genauer vorstellen, weil sie unter anderem fantastisch sind, um Meetings effizienter zu gestalten. Wir wollen jetzt aber gleich einsteigen, und uns ein paar aktuelle Beispiele für die verschiedenen Denkhüte anschauen:

Krisen bieten auch immer Chancen. Insofern ist die aktuelle Weltwirtschafts-Krise sicherlich die größte Chance unserer Generation. Das, liebe Leser, ist positives Denken. Nach de Bono ist das der gelbe Hut seiner sechs Denkhüte: positiv denken, Vorteile sehen.

Der Citibank zu verbieten, einen Privatjet zu bezahlen, ist dann ein Beispiel für den roten Hut. Denn dabei geht es nur um Emotionen, in diesem Falle sehr negative wie Neid. Warum wollen die bei Citibank einen Privatjet haben? Ich denke mal, um Zeit zu sparen. Denn für Leute, die große Wirtschaftskonzerne leiten, ist Zeit ein Faktor – und fliegen mit Linienverbindungen nicht immer hilfreich, wenn man in Eile ist. Ein Grund übrigens, warum sehr viele Politiker selber in Businessjets umherfliegen und Barack Obama selber das wahrscheinlich teuerste Flugzeug der Welt nutzt. Halt, stop. Aber Barack Obama und die anderen Politiker machen ja nicht soviel Miese wie die Citibank und verbrauchen dann auch keine öffentlichen Gelder… Halt. Nochmal stop. Eigentlich sind der größte Schuldner der Welt die USA, und einen ausgeglichenen Haushalt hatten die seit Bill Clinton nicht mehr.

Ich finde es übrigens von der Citibank auch ungeschickt, wenn man 45 Milliarden an Hilfe annimmt, um davon unter anderem einen Business-Jet zu kaufen. Ich finde aber auch, dass es der Bank nicht besser gehen wird, wenn ihre Chefs ihre Zeit in Linienflügen vertrödeln. Und was ich sagen will ist das, was Edward de Bono schon immer hervor gehoben hat. So wie ein Ausdruck aus dem Drucker unvollständig ist, wenn nur eine Farbe gedruckt wurde, so ist das Denken unvollständig, wenn nur ein Hut benutzt wurde. Hilft es der Citibank, wenn sie nun Linienflüge nutzen? Hat man das überhaupt bedacht, oder nur des Neids wegen gesagt, das mit dem Businessjet sei inakzeptabel?

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Banken trotz Verlusten und staatlicher Unterstützung ihren Mitarbeitern weiterhin riesige Boni zahlen. Boni, die für die meisten von uns beinahe unserem Lebenseinkommen gleich kommen. Sind die Banken hier kreativ? Sind nicht die Boni einer der Gründe, warum die Mitarbeiter immer mehr Risiken eingegangen sind?

Eine Möglichkeit, die mir sehr gut gefällt, wäre doch, die Boni in toxic assets auszuzahlen. Ein 5 Millionen-Bonus, ausgezahlt in toxic assets, wäre dann vielleicht nur 300-500.000 $ wert. Diese Idee wird mehrfach in den Leserzuschriften der Financial Times erwähnt, aber nirgendswo ernsthaft diskutiert. Dabei hätte es doch einige Vorteile:

  • Die Banker wären persönlich an ihren schlechten, kurzfristig profitorientiert gedachten Entscheidungen der Vergangenheit beteiligt. Ähnliche Fehler, sich zugunsten kurzfristiger Profite und gegen langfristige Risiken zu entscheiden, würden künftig wahrscheinlich vermieden.
  • Die toxic assets würden langsam, aber sicher von den Bilanzen der Banken verschwinden.
  • Die Banker würden wahrscheinlich ziemlich schnell anfangen, privat mit diesen toxic assets zu handeln. Das würde es erlauben, dafür endlich einmal Preise festzustellen für Vermögenswerte, die zur Zeit einfach nicht bewertbar sind, und dem Markt das Vertrauen in Bankenbilanzen verhageln.

Das ist ein Beispiel für den grünen Hut. Man nehme die vorhandenen Bestandteile des Systems und vermehre ihre Wirkung aufeinander.

Wie man sieht, kann man aus einer Krise auch was lernen. Zumindest für die Kreativität.

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